Techno-Musik

Als ich im Sommer 1989 die ersten Techno/Underground-Raves in Antwerpen, Amsterdam und Köln miterlebte, gab es kein XTC. Die Leute konsumierten in “normalem” Maße Kokain, Amphetamin und THC, wie in anderen Nightlife Szenen auch. Parallel zu den Geschehnissen im Ostblock und der Entstehung einer sich als völlig liberal definierenden Jugendbewegung – Techno – wurde in großen Lifestyle-Printmedien, wie dem unsäglichen “Tempo”, ein XTC Hype launciert, der die Droge, lange bevor sie physisch erhältlich war, in den Köpfen der Generation X als “21.century drug” etablierte. Als dann die Ersten im Spätsommer 89 von Ibiza zurückkehrten und XTC Erfahrungen gesammelt hatten und sich ein Dealerapparat in nahezu unglaublicher Geschwindigkeit “von selbst” aufbaute, (mit evidenten Kontakten zur Pharmaindustrie ) tauchten in meinem Hirn Erinnerungen an die Abläufe nach dem Tode M.L. Kings in den USA auf. Damals wurde eine ganze Generation junger Schwarzer durch das F.B.I. mittels Drogen den Abfluß der Geschichte runtergespült. In der Techno-Szene war es so, daß kongruent zur Etablierung in der Jugendkultur, zuerst eine Dämonisierungs und Prohibitionskampagne gefahren wurde und nachdem die Werbeindustrie und der Berliner Senat das enorme Wirtschafts/Verblödungspotential der Szene erfaßt hatte, eine beispiellose Kommerzialisierung losgetreten. Die allerletzten “Gründer” verließen ca. 93 die Szene und versprengten sich im “Goa” oder, häufiger, im Overground. Die, die übrig blieben, waren das mafiös organisierte Gesocks um Schmarotzer und Taugenichtse wie Dr. Motte, Westbam, DJ Hooligan und Andere, die schon seit jeh her den Kontakt zu Großdealern der Szene suchten, waren doch die Großdealer die ersten und engagiertesten Veranstalter von “Mega-Raves”, konnte man hier doch in nur einer Nacht ganze Einfamilienhäuser verdienen. Heutzutage ist Techno nicht mal mehr ein Abklatsch des damaligen Spirits, ein Sammelbecken für Proleten(s.”Techno Horst” auf RTL II)und gestörte Junkies, deren Eltern ihnen mittels üppiger finanzieller Zuwendung, ein Dasein im Schatten des Bahnhofsviertels ersparen. Im Osten ist es so daß die Techno “Bewegung” ein Ablaufbecken für Ex-Skins bietet. Na ja, besser auf Pille als Ausländer hetzen.

Posted: Oktober 13th, 2010 under Musik.
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